
120 % Finanzierung beim Hauskauf – Leitfaden für Vollfinanzierungen inkl. Nebenkosten und Modernisierung
Eine 120 % Finanzierung ist eine erweiterte Vollfinanzierung: Neben dem Kaufpreis der Immobilie werden auch die Kaufnebenkosten (Notar, Grundbuch, Grunderwerbsteuer, Makler) und ein zusätzlicher Modernisierungs- bzw. Ausstattungsanteil in einem einzigen Finanzierungskonzept gebündelt. So wird der Hauskauf ohne liquides Eigenkapital möglich – inklusive Budget für erste Maßnahmen. Der Preis für die größere Flexibilität sind höhere Anforderungen an Bonität, Einkommen und Objektqualität sowie Zinsaufschläge aufgrund des höheren Beleihungsauslaufs.
Inhalt
- Definition: Was genau ist eine 120 % Finanzierung?
- Abgrenzung: 100 % vs. 110 % vs. 120/130 % Finanzierung
- Voraussetzungen und Banklogik (LTV, Bonität, Objekt, Haushalt)
- Vorteile, Risiken und typische Fehlannahmen
- Rechenbeispiele und Szenarien (Eigennutzer vs. Kapitalanlage)
- Strukturierung in der Praxis: Bausteine und Produktkombinationen
- Risiko-Management: So bleibt die Finanzierung langfristig tragfähig
- Sonderfälle: Selbstständige, Beamte, Familien, Sanierungsobjekte
- Ablauf – Schritt für Schritt zur Zusage
- Checklisten für Unterlagen, Objekt und Haushaltsrechnung
- Häufige Fragen (FAQ)
1) Definition: Was genau ist eine 120 % Finanzierung?
Eine 120 % Finanzierung ist eine Vollfinanzierung über den Kaufpreis hinaus. Sie deckt:
- Kaufpreis der Immobilie
- Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler) sowie
- einen zusätzlichen Modernisierungs-/Ausstattungsanteil (z. B. Küche, Boden, Bäder, energetische Maßnahmen, Malerarbeiten)
In Summe kann der Darlehensbetrag 110 – 130 % des Kaufpreises betragen, je nach Bank, Region, Objekt und individueller Bonität. Der höhere Betrag wird mit einem höheren Zins bepreist, da Nebenkosten keinen werthaltigen Gegenstand darstellen und Modernisierungen ihren Wert nicht 1:1 im Beleihungswert widerspiegeln.
Praxisbeispiel
Kaufpreis: 400.000 €
Nebenkosten (10 %): 40.000 €
Modernisierung (10 %): 40.000 €
Gesamtfinanzierungsbedarf: 480.000 € (= 120 % vom Kaufpreis)
2) Abgrenzung: 100 % vs. 110 % vs. 120/130 % Finanzierung
- 100 % Finanzierung: Finanzierung nur des Kaufpreises. Nebenkosten werden bar bezahlt.
- 110 % Finanzierung: Finanzierung von Kaufpreis + Nebenkosten.
- 120 % Finanzierung: Finanzierung von Kaufpreis + Nebenkosten + Modernisierung (ca. +10 %).
- 130 % Finanzierung: Finanzierung von Kaufpreis + Nebenkosten + umfangreiche Maßnahmen (bis ca. +20 %).
Je höher der Beleihungsauslauf (Loan-to-Value, LTV), desto strenger die Prüfung und desto höher der Zinsaufschlag. Nicht alle Banken bieten Beleihungen > 100 % an.
3) Voraussetzungen und Banklogik (LTV, Bonität, Objekt, Haushalt)
3.1 Beleihungsauslauf (LTV)
Der LTV beschreibt das Verhältnis von Kreditbetrag zum Beleihungswert der Immobilie. Bei > 100 % sieht die Bank ein erhöhtes Risiko. Nebenkosten lassen sich im Verwertungsfall nicht realisieren, weshalb die Bank für 110–120 % eine stringente Story verlangt: solide Bonität, werthaltiges Objekt, klare Modernisierungsplanung und belastbare Haushaltsrechnung.
3.2 Bonität und Einkommen
- Sehr gute Bonität (saubere SCHUFA, stabiles Zahlungsverhalten).
- Gesichertes Einkommen, idealerweise unbefristet (bei Beamten besonders positiv).
- Belastungsquote: Monatsrate in der Regel ≤ 30–35 % des Nettohaushaltseinkommens; bei Vollfinanzierungen eher konservativ planen.
- Ein zweiter Kreditnehmer kann das Risikoprofil und Konditionen spürbar verbessern.
3.3 Objektqualität (die „Bankbrille“)
- Lage: gefragte Mikrolage, stabile Nachfrage, gute Infrastruktur.
- Zustand & Energie: guter technischer Zustand oder plausibler Sanierungsplan; Energieeffizienz gewinnt an Bedeutung für Konditionen.
- Marktpreis: realistisch und Gutachten-tauglich; Überzahlungen erschweren 120 %.
3.4 Haushaltsrechnung und Puffer
- Realistische Lebenshaltungskosten (Bankpauschalen vs. echte Ausgaben).
- Notgroschen (3–6 Monatsnettos) und Instandhaltungsrücklage (1–1,5 % p. a. des Gebäude-Werts).
- Modernisierungsbudget mit Kostenvoranschlägen untermauern.
4) Vorteile, Risiken und typische Fehlannahmen
Vorteile
- Sofortiger Erwerb ohne Ansparphase – wichtig in angespannten Märkten.
- Liquidität bleibt für Rücklagen/Investments erhalten.
- Modernisierung direkt mitfinanzieren: ein Antrag, ein Tilgungsplan.
- Planbarkeit durch lange Zinsbindung und vertragliche Sondertilgungen.
Risiken
- Zinsaufschläge durch hohen LTV → höhere Rate bzw. längere Laufzeit.
- Höhere Restschuld nach Zinsbindung → erhöhtes Anschlusszinsrisiko.
- Wertschwankungen: Früher Verkauf kann Lücken erzeugen (Nebenkosten sind „verbraucht“; Modernisierungen nicht voll werthaltig).
- Begrenzte Bankauswahl: Nicht jedes Institut begleitet > 100 %.
Typische Fehlannahmen
- „Hohe Einkommen reichen, 120 % ist immer machbar.“ – Falsch: Ohne werthaltiges Objekt und saubere Struktur wird es schwierig.
- „120 % ersparen mir Rücklagen.“ – Gefährlich: Rücklagen bleiben Pflicht.
- „Zinsdifferenzen sind zu klein, um zu zählen.“ – Irrtum: Über 20–30 Jahre sind 0,3–0,6 % p.a. fünfstellige Beträge.
- Aktuelle Zinskonditionen
- Unser Beratungs-Konzept
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Strategien für die Baufinanzierung ohne Eigenkapital
Baufinanzierung Heinz kennt die Wege, wie Sie auch ohne Eigenmittel Ihre Chancen erhöhen:
- Nachrangdarlehen: Zweitkredite werden teilweise als Eigenkapitalersatz anerkannt.
- Verkäuferdarlehen: Der Verkäufer selbst gewährt ein Darlehen und schließt die Lücke.
- KfW-Förderung: Manche Banken werten KfW-Darlehen wie Eigenkapital.
- Zusatzsicherheiten: Immobilien, Bürgschaften oder Policen verbessern die Chancen.
- Zwischenfinanzierung: Wenn Eigenkapital zwar vorhanden, aber noch gebunden ist (z. B. durch Immobilienverkauf).
Warum Baufinanzierung Heinz?
Die richtige Baufinanzierung zu finden, ist anspruchsvoll – besonders ohne Eigenkapital. Baufinanzierung Heinz bietet:
- Umfassende Marktkenntnis: Wir kennen die wenigen Banken, die Vollfinanzierungen anbieten.
- Individuelle Beratung: Jede Finanzierung wird exakt auf Ihre Situation zugeschnitten.
- Langfristige Begleitung: Von der Antragstellung bis zur letzten Rate stehen wir an Ihrer Seite.
- Optimale Konditionen: Wir vergleichen Angebote und finden die besten Zinsen.
5) Rechenbeispiele und Szenarien
Grunddaten (Beispiel):
Kaufpreis 400.000 €
Nebenkosten 10 % (= 40.000 €)
Modernisierung 10 % (= 40.000 €)
Szenario A – 100 % Finanzierung (Nebenkosten/Modernisierung bar)
- Kredit: 400.000€
- Beispielkondition: 3,90% Sollzins, 3,00% Tilgung
- Annuität ≈ 6,90% von 400.000€ = 27.600€ p.a. ≈ 2.300 € mtl.
- Pro: bessere Kondition, schnellerer Restschuldabbau
- Contra: Liquidität für NK und Maßnahmen erforderlich
Szenario B – 110 % Finanzierung (inkl. Nebenkosten)
- Kredit: 440.000€
- Beispielkondition: 4,30% Sollzins, 3,00% Tilgung
- Annuität ≈ 7,30% von 440.000€ = 32.120€ p.a. ≈ 2.677€ mtl.
Szenario C – 120 % Finanzierung (inkl. Nebenkosten & Modernisierung)
- Kredit: 480.000€
- Beispielkondition: 4,60% Sollzins, 3,00% Tilgung
- Annuität ≈ 7,60% von 480.000€ = 36.480€ p.a. ≈ 3.040€ mtl.
Interpretation
Mit steigendem LTV nehmen Rate und Zinskosten zu; die Restschuld sinkt langsamer. Eine höhere Anfangstilgung (z. B. 3,5–4,0%) reduziert das Anschlussrisiko deutlich.
Eigennutzer sollten lange Zinsbindungen (15–20 Jahre) und solide Tilgung (≥ 3,0%) wählen. Kapitalanleger kalkulieren zusätzlich Mieteinnahmen, Leerstand, Instandhaltung; die Nettomiete muss die Finanzierung nachhaltig decken.
6) Strukturierung in der Praxis: Bausteine und Produktkombinationen
- Annuitätendarlehen (Hauptdarlehen)
Lange Zinsbindung (15–20 Jahre), Sondertilgung (≥ 5% p.a.) vereinbaren; bei 120% Tilgung ≥ 3,0%, besser 3,5–4,0%. - Bauspar-Kombination / Zinszahlungsdarlehen
Heute Zinsen zahlen, parallel Bausparvertrag besparen; spätere Tilgung über Zuteilung. Vorteil: Zinssicherheit über sehr lange Horizonte. - Nachrangdarlehen (Familie/Arbeitgeber/privat)
Reduziert den LTV im Erstdarlehen und kann Konditionen spürbar verbessern (vertraglich sauber regeln). - KfW-/Modernisierungsdarlehen
Für energetische Maßnahmen oft zinsgünstig, mit tilgungsfreien Anlaufjahren; senkt den gewichteten Effektivzins. - Zusatzsicherheiten
Zweite Immobilie, Sicherungsabtretung von Policen/Depots, zweiter Kreditnehmer: verbessern Risikoprofil und Zinsen.
Die Kombination dieser Bausteine ermöglicht es, eine 120% Finanzierung bankfähig und tragfähig aufzubauen.
7) Risiko-Management: So bleibt die Finanzierung langfristig tragfähig
- Zinsbindung 15–20 Jahre wählen, um Zinsänderungsrisiken zu begrenzen.
- Anfangstilgung 3,5–4,0% anstreben; Sondertilgungen (≥ 5% p.a.) fest vereinbaren.
- Notgroschen (3–6 Monatsnettos) plus Instandhaltungsrücklage (1–1,5% des Gebäude-Werts/Jahr) konsequent führen.
- Absicherung prüfen (Berufsunfähigkeit, Risiko-Lebensversicherung), insbesondere bei Familien.
- Energie und Substanz im Blick behalten: Investitionen rechtzeitig planen.
- Anschlussfinanzierung frühzeitig adressieren (Forward-Fenster).
- Exit-Optionen mitdenken (Vermietung, Teilverkauf, Umschuldung).
8) Sonderfälle: Selbstständige, Beamte, Familien, Sanierungsobjekte
Beamte/Öffentlicher Dienst
Hohe Planungssicherheit und starkes Anstellungsprofil führen oft zu besserer Bankakzeptanz und teils besseren Konditionen.
Selbstständige
Erforderlich sind mehrjährige belastbare Zahlen (BWA/Jahresabschlüsse, EÜR), Liquiditätsplanung und ein überzeugendes Geschäftsmodell. Rücklagen und Konstanz sind bei 120% besonders wichtig.
Familien/Berufseinsteiger
Konservative Belastungsquote, lange Zinsbindung, Tilgung nicht zu niedrig, Reserven einplanen. Kindergeld & Co. nicht überoptimistisch verplanen.
Sanierungsobjekte/Energie
Ein konkreter Maßnahmenplan (Dach, Fenster, Heizung, Hülle) mit Kostenvoranschlägen und Zeitplan ist hilfreich. KfW-Bausteine prüfen und sinnvoll integrieren.
9) Ablauf – Schritt für Schritt zur Zusage
- Erstgespräch: Ziele, Einkommen, Haushaltsrechnung, Objektkriterien.
- Bonitätscheck & Unterlagen: Was die Bank sehen will, vollständig aufbereiten.
- Finanzierungsskizzen: 100/110/120% Varianten, Zinsbindung, Tilgung, Bausteine.
- Bankauswahl & Konditionen: Institute mit echter > 100%-Erfahrung ansprechen.
- Objektprüfung & Bewertung: Lage, Energie, Substanz, Kaufpreisplausibilität.
- Antrag: Saubere Story, vollständige Unterlagen – kurze Bearbeitungszeit.
- Zusage & Auszahlung: Meilensteine, Teilauszahlungen bei Maßnahmen, Nachweise.
- Begleitung nach Einzug: Sondertilgungen, Optimierung, Anschlussfinanzierung.
10) Checklisten
10.1 Unterlagen (privat)
- Personalausweis, Meldebescheinigung
- Einkommensnachweise (12 Monate), Arbeitsvertrag
- SCHUFA-Selbstauskunft (aktuell)
- Vermögensübersicht, Verbindlichkeiten (Ablösepläne)
- Bei Selbstständigen: BWA/Jahresabschlüsse/EÜR, Steuerbescheide, Auftragslage
10.2 Objekt
- Exposé, Grundbuchauszug, Flurkarte
- Energieausweis, Wohnflächenberechnung, Baubeschreibung
- WEG-Unterlagen (bei ETW): Teilungserklärung, Protokolle, Rücklagenstand
- Modernisierungs-/Sanierungsangebote mit Detailkosten und Zeitplan
10.3 Haushalt
- Einnahmen-/Ausgabenübersicht (realistisch, nicht nur Pauschalen)
- Notgroschen (Tagesgeld), Instandhaltungsrücklage
- Reserven für geplante Sondertilgungen
11) Häufige Fragen (FAQ)
Was ist eine 120% Finanzierung?
Eine erweiterte Vollfinanzierung, die Kaufpreis, Nebenkosten und einen Modernisierungsanteil umfasst. Sie setzt sehr gute Bonität, stabiles Einkommen und ein werthaltiges Objekt voraus.
Bieten alle Banken 120% an?
Nein. Viele Institute begrenzen bei 100% oder 110%. Für 120% braucht es passende Bankpartner und eine überzeugende Struktur.
Welche Zinsbindung ist sinnvoll?
Bei 120% in der Regel 15–20 Jahre, um Anschlussrisiken zu begrenzen.
Wie hoch sollte die Anfangstilgung sein?
Mindestens 3,0%, besser 3,5–4,0%. So sinkt die Restschuld schneller.
Kann ich Modernisierungskosten immer mitfinanzieren?
Ja, sofern ein plausibler Maßnahmenplan mit Nachweisen vorliegt. Alternativ können separate Förder- oder Modernisierungsdarlehen kombiniert werden.
Ist eine 120% Finanzierung immer teurer?
Durch den höheren LTV sind Zinsaufschläge üblich. Mit starker Bonität, werthaltigem Objekt und passenden Förder-/Bausteinkombinationen lässt sich der Effekt spürbar reduzieren.
Eignet sich die 120% Finanzierung für Selbstständige?
Ja, wenn mehrjährige stabile Zahlen, Rücklagen und eine saubere Story vorliegen. Die Prüfung ist intensiver als bei Angestellten.
Brauche ich trotz 120% Rücklagen?
Ja. Rücklagen bleiben Pflicht – für Instandhaltung und unvorhergesehene Ereignisse.
Zusammenfassung
Die 120% Finanzierung ermöglicht den Hauskauf ohne Eigenkapital – inklusive Nebenkosten und Modernisierung. Sie verlangt Top-Bonität, stabiles Einkommen, ein werthaltiges Objekt und eine kluge Struktur aus Zinsbindung, Tilgung, Rücklagen und passenden Produktbausteinen. Wer pragmatisch plant, Unterlagen sauber aufbereitet und bankenkompatibel argumentiert, kann eine tragfähige 120% Lösung realisieren.